Frauenministerin Spiegel: „Lohndiskriminierung endlich überwinden“

Anlässlich des Internationalen Aktionstags Equal Pay Day am 17. März macht Frauenministerin Anne Spiegel auf die weiter ungerechte Lohnverteilung in Deutschland aufmerksam: „Frauen verdienen hierzulande seit Jahren für jede Arbeitsstunde im Durchschnitt ein Fünftel weniger Geld als Männer. Das ist nicht nur ungerecht. Es ist ein Skandal, dass viele Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit noch immer schlechter bezahlt werden. Sie sind mindestens genauso gut qualifiziert wie Männer und unentbehrliche Fachkräfte, die zu einer erfolgreichen Wirtschaft und Gesellschaft beitragen“, führt die Ministerin weiter aus.

Im Juli 2017 trat in Deutschland das Entgelttransparenzgesetz in Kraft. Ein erster Schritt zu mehr Lohngerechtigkeit, allerdings zeigten die Ergebnisse des 2019 vorgelegten Berichts zur Wirksamkeit des Gesetzes wenig Veränderungen. „Spürbare Effekte sind ausgeblieben“, erklärt Ministerin Spiegel. „Es ist nun an der Zeit, die Regelungen nachzuschärfen und nunmehr auch ein Verbandsklagerecht einzuführen. Denn dadurch wird das Klagerecht von Einzelpersonen auf Gruppen in Form von Verbänden erweitert. So wäre es Vereinen und Verbänden möglich, unabhängig von der Verletzung individueller Rechte für die Allgemeinheit gegen Verstöße in Sachen Lohngerechtigkeit vorzugehen. So könnten Verbände gegen ungerechte Lohnpraktiken vorgehen, ohne dass die einzelne Mitarbeiterin dagegen vorgehen muss. So könnte zudem mehr Lohngerechtigkeit für alle in einem entsprechenden Unternehmen tätigen Frauen erkämpft werden. Deswegen setze ich mich auf Bundesebene dafür ein.“

Das diesjährige Motto des Equal Pay Days „Auf Augenhöhe verhandeln – WIR SIND BEREIT.“ will bekräftigen, dass Frauen sich nicht mit ihren Forderungen zurückhalten sollten. Denn die Gründe für eine schlechtere Bezahlung sind nicht etwa die schlechteren Qualifikationen oder die fehlenden Kompetenzen von Frauen. „Die vielfältigen Ursachen für ungleiche Bezahlung sind hinreichend bekannt“, erklärt Spiegel. „Gerne heißt es, dass Frauen schlechter verhandeln. Doch ist das wirklich so? Ich hinterfrage das. Stereotypen und Rollenklischees prägen, häufig auch unbewusst, unsere Erwartungen und unser Handeln - und das auf beiden Seiten des Verhandlungstischs.“ 

Spiegel ermutigt Frauen, bei Lohnverhandlungen selbstbewusst aufzutreten und ihre Fähigkeiten dabei auch gezielt in den Vordergrund stellen. “Es ist endlich an der Zeit, hier ein Bewusstsein und mehr Transparenz zu schaffen. Und dies zum Vorteil aller Beteiligten.“

In Rheinland-Pfalz unterstützt die vom Frauenministerium initiierte und geförderte „Kompetenzstelle für freiwillige Lohntests“ kleine und mittlere Unternehmen. In der Beratung gehe es darum, die Vorteile gerechter Bezahlung für den eigenen Betrieb zu erkennen und über Diskriminierungsfallen zu informieren. Darüber hinaus bietet die Kompetenzstelle Workshops an. „In Informationsveranstaltungen und Workshops werden auch in diesem Jahr Unternehmen und interessierte Personengruppen für das Thema Entgeltgleichheit sensibilisiert“, berichtet Spiegel. Seit 2015 konnten so über 700 betriebliche Akteurinnen und Akteure erreicht werden. 68 Betriebe nahmen bisher aktiv am Projekt teil und stiegen dabei konkret und praxisnah in die Umsetzung diskriminierungsfreier Vergütung ein.

Weitergehende Informationen:
https://www.arbeit-und-leben.de/projekte/entgeltgleichheit