Integration, Toleranz und Identität im 21. Jahrhundert –  „Anne Spiegel im Gespräch“ mit Prof. Dr. Karen Joisten

Kann man ein bisschen tolerant sein? Woran macht man tolerantes Verhalten fest? Im Kontext der Integration ist Toleranz das Fundament für das Verständnis anderer Religionen, Kulturen und Weltanschauungen. Tolerantes Verhalten zeigt sich durch Respekt und Offenheit gegenüber Andersdenkenden und -handelnden, soweit sie unsere Grundrechte und demokratische Grundordnung nicht infrage stellen oder verletzen. 

„Toleranz ist die Grundlage unseres friedlichen Zusammenlebens. Sie lässt keinen Platz für Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung“, betonte Integrationsministerin Anne Spiegel im Gespräch mit Prof. Dr. Karen Joisten in Kaiserslautern.


Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Anne Spiegel im Gespräch“ sprachen die Ministerin und Prof. Dr. Karen Joisten über die politische und die philosophische Perspektive des Begriffs „Toleranz“. Beide vertraten den Standpunkt, dass Toleranz als Basis menschlicher Werte empfunden und gelebt wird sowie gesellschaftlich-politische Voraussetzung ist, um eine vielfältige Gesellschaft in ein förderliches „Wir“ zu führen und somit zu stärken und zukunftsfähig zu machen.


„Wir brauchen immer auch eine Offenheit für das Fremde“, führte die Philosophie-Professorin Dr. Karen Joisten aus. „Nur, wenn meine eigene Identität ausreichend gefestigt ist, bin ich in der Lage, mich auf etwas Neues einzulassen und das auch zu tolerieren.“


Ministerin Anne Spiegel und Professorin Dr. Karen Joisten waren sich einig, dass Toleranz die Basis dafür ist, dass Menschen in einer Gesellschaft heimisch werden, weil sie sich mit ihrer Identität angenommen fühlen. Wie tolerant eine Gesellschaft ist, hängt davon ab, in welchem Maße sie bereit ist, Andersartigkeit zu akzeptieren. Die Grenzen der Toleranz beginnen in einer vielfältigen Gesellschaft dort, wo Menschen beeinträchtigt werden. Toleranz ist ein aktiver Prozess und die gesellschaftspolitische Voraussetzung für Demokratie.  


„Toleranz ist für mich ein ganz selbstverständlicher Wert - unterschiedliche Sichtweisen müssen hingenommen werden, im Alltag darf man sich auch einmal reiben“, fasste Anne Spiegel den Gesamttenor zusammen.