Junge Menschen aus Jugendhilfe-Einrichtungen wählen erstmals eine Interessenvertretung

Heute wählen Kinder und Jugendliche, die in einem Heim oder in betreutem Wohnen leben, erstmals in Rheinland-Pfalz eine eigene Interessenvertretung: den Landesjugendhilferat. Er wird sich aus bis zu zwölf jungen Menschen zusammensetzen, die sich für die Rechte von Kindern aus Einrichtungen der Jugendhilfe einsetzen und sich zu Entwicklungen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe positionieren.

„In Rheinland-Pfalz gibt es viele Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen wie zum Beispiel Kinder- und Jugendparlamente, Schülervertretungen und sogar Beteiligungsformen für ganz junge Kinder. Gefehlt hat bis jetzt eine Interessenvertretung für junge Menschen, die in Heimen oder betreutem Wohnen leben. Ich freue mich daher sehr, dass nun auch diese Kinder und Jugendlichen mit dem neuen Landesjugendhilferat ihre Interessen schlagkräftiger einbringen können“, bekräftigte Jugend- und Familienstaatssekretärin Christiane Rohleder. „Kinder und Jugendliche aus Einrichtungen der Jugendhilfe brauchen eine landesweite Vertretung für ihre Anliegen. Mir ist wichtig, dass wir ihre Stimme hören, damit wir ihre Anliegen in Entscheidungen einbeziehen können.“

Zur Wahl in den Landesjugendhilferat stellen sich Jugendliche ab 14 Jahren, wählen ist bereits ab zwölf Jahren möglich. Diese Altersgrenzen hatten die Kinder und Jugendlichen bei der Beteiligungswerkstatt im vergangenen Jahr selbst festgelegt. Die Wahl findet im Rahmen der „Digitalen Beteiligungswochen“ statt, die das Familienministerium zusammen mit medien.rlp und dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH (ism) aufgrund der geltenden Corona-Kontaktbeschränkungen ins Leben gerufen hat. In rund 65 Workshops konnten sich in den vergangenen zwei Wochen die potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten zu Themen rund um das Leben im Heim, Mitbestimmung und Mitgestaltung, aber auch Mediennutzung austauschen und sich dabei gleichzeitig kennenlernen. Aus den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Workshops hat sich der Kandidatinnen- und Kandidatenkreis herauskristallisiert. Die Wahl bildet nun den Abschluss der „Digitalen Beteiligungswochen.“
„Ich freue mich, dass das ism und medien.rlp so schnell ein gutes Konzept entwickelt haben, um die Wahl zu ermöglichen. Das gewählte Format ermöglicht den Teilnehmenden auch ohne persönliches Treffen, sich kennenzulernen und intensiv auszutauschen. Ein solches digitales Format ist bisher bundesweit einzigartig“, erklärt Rohleder.
Zur Unterstützung des Landesjugendhilferats wird es beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, Landesjugendamt, ab 2021 eine Geschäftsstelle geben, die das Gremium fachlich, inhaltlich und organisatorisch unterstützt. Der Landesjugendhilferat wird zusätzlich mit 17.000 Euro gefördert. Das Thema „Beteiligung in der Heimerziehung“ hat in Rheinland-Pfalz im Rahmen der Demokratieerziehung eine lange Tradition. Seit 2010 finden jährlich Beteiligungswerkstätten mit Kindern und Jugendlichen aus Einrichtungen der Jugendhilfe statt, bei denen sich die jungen Menschen mit verschiedenen Themen, wie der Identität und Werte in der Heimerziehung, Beteiligung und Mitspracherechte beschäftigen können. Dies wurde in diesem Jahr in Form der „Digitalen Beteiligungswochen“ fortgeführt. Hierzu konnten sich Kinder und Jugendliche aus Heimen und betreuten Wohneinrichtungen anmelden. Im vergangenen Jahr lebten in Rheinland-Pfalz 5.325 Kinder und Jugendliche in entsprechenden Einrichtungen.
„Eine solche Interessenvertretung kann auch das Risiko von Machtmissbrauch in Einrichtungen reduzieren, indem die Kinder und Jugendlichen eine einfache Möglichkeit erhalten, ihre Interessen einzubringen und anzusprechen, wenn Dinge schieflaufen“, so Rohleder. 

Mehr Informationen zum Landesjugendhilferat und den „Digitalen Beteiligungswochen“ gibt es auf www.ljhr-rlp.de.