Heimat ist dort, wo Menschen solidarisch sind

Was ist Heimat? Was bedeutet sie für Menschen unterschiedlicher Kulturkreise, die in Rheinland-Pfalz ein neues Zuhause gefunden haben? Was kann eine Gesellschaft dazu beitragen, dass Menschen heimisch werden?

Diese Fragen diskutierte Integrationsministerin Anne Spiegel mit Sängerin Julia Neigel, Ex-Fußballweltmeisterin Fatmire Alushi und dem MIGAZIN-Chefredakteur Ekrem Şenol bei der Veranstaltung „Heimat neu gedacht“. Durch das Gespräch führte Dr. Mark Terkessidis, Migrationsforscher, Autor und Journalist.

„Heimat ist nicht immer an einen geografischen Ort gebunden – Heimat ist dort, wo Menschen sich zu Hause fühlen“, betonte Ministerin Spiegel. „Das Heimatgefühl ist  ein Seismograf dafür, wie es um den Zusammenhalt der Gesellschaft bestellt ist. Denn für mich beginnt ein Gefühl von Heimat mit gesellschaftlichem Engagement, mit dem Erleben von Solidarität und Verbundenheit. Das hat eine private, aber auch eine politische Dimension“, so die Ministerin. 

„Daher brauchen wir in unseren Städten und Dörfern Räume, wo Menschen sich begegnen, Vertrauen aufbauen, sich gemeinsam ehrenamtlich engagieren und sich gegenseitig unterstützen“, meinte Anne Spiegel weiter. „Schließlich hat Heimat auch etwas damit zu tun, wie wir Menschen willkommen heißen. Das gilt besonders für Menschen, die unsere Hilfe und unseren Schutz brauchen. Gerade für eine offene Gesellschaft ist es wichtig, dass sie Halt bietet. Deshalb dürfen wir den Begriff „Heimat“ nicht den Rechten überlassen!“ 

Für Sängerin Julia Neigel ist Heimat: „Das Land, der Ort, die Nation, die Gesellschaft, in der ich mich sicher, geborgen, anerkannt und zugehörig fühle, in der einerseits Individualität respektiert wird und zugleich gemeinschaftliche Spielregeln soziale Gerechtigkeit schaffen.“ Weiter erklärte die Sängerin: „Ich sehe mich als Mensch, als Deutsche, die in der Bundesrepublik Deutschland ihre Heimat hat und die einen Zustand erleben möchte, der Sicherheit und Frieden für mich und meine Liebsten und alle Menschen gewährleistet und ich in dem Wissen friedlich leben darf, dass alle Bürger in diesem Land gut behandelt werden.“

„Für mich ist Heimat ein Ort wo man sich zuhause fühlt, Familie hat und wo man willkommen ist“, so Ex-Fußballweltmeisterin Fatmire Alushi. „Heimat bedeutet für Menschen unterschiedlicher Kulturkreise ein Miteinander und Füreinander. Eine Atmosphäre zu schaffen in der sich alle Wohlfühlen, in der sie ihre Kultur ausleben und weiterführen können, gleichzeitig aber auch die neue Kultur annehmen, verstehen und zu akzeptieren.“ 

„Diese Heimat-Debatte hat nicht dazu geführt, dass ich mich in Deutschland beheimateter fühle – im Gegenteil“, merkte MIGAZIN-Chefredakteur Ekrem Şenol kritisch an. „Diese Heimat-Debatte wird weder meiner Biografie gerecht, noch meiner Empfindung von Heimat. Sie verlangt von mir eine Entscheidung ab, die ich nicht fällen möchte und werde.“

Die Diskussionsrunde „Heimat neu gedacht“ ist Teil der neuen Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit Anne Spiegel“. In dieser Reihe trifft die Ministerin spannende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, um durchaus kontroverse gesellschaftliche Herausforderungen zu diskutieren.

Die Diskussionsrunde „Heimat neu gedacht“ ist Teil der  Kampagne „Lebenswege vor Ort“. Im rheinland-pfälzischen Online-Migrationsmuseum „Lebenswege“ (https://lebenswege.rlp.de) erzählen Männer und Frauen aus verschiedenen Migrationsphasen in Bildern, Texten, Audio- und Videosequenzen die bewegende Geschichte ihrer Einwanderung nach Rheinland-Pfalz. Etwa aus der Gastarbeiter-Ära, ihrer Rückkehr als Russlanddeutsche in die Heimat ihrer Vorfahren oder als Zufluchtssuchende vor Krieg, Folter und Gewalt. Diese Geschichten und Dokumentationen sind das Herzstück des Online-Museums, das 2009 seine virtuellen Pforten öffnete und eine Vorreiterrolle im virtuellen Museumsmetier einnimmt.