„Schlankheitswahn“ in der Modebranche: Bundesregierung soll gesetzliche Regelungen überprüfen

Die rheinland-pfälzische Frauenstaatssekretärin Dr. Christiane Rohleder wendet sich gegen ein unrealistisches Schlankheitsideal, das in der Mode- und Werbebranche weit verbreitet ist. „Wenn Frauen versuchen, schlanker zu sein, kann das Essstörungen und erhebliche Gesundheitsgefahren verursachen. Hier trägt die Mode- und Werbebranche eine wesentliche Verantwortung, keine unrealistischen Schlankheitsideale zu schüren.“

Hierzu hat die Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK) in Bremerhaven auf Initiative von Rheinland-Pfalz einstimmig einen Antrag beschlossen.

Dieser fordert die Bundesregierung auf, sich mit den Essstörungen vieler junger Mädchen und Frauen auseinanderzusetzen, die einem äußerlichen Leitbild folgen, das von der Mode- und Werbebranche vorgegeben wird. „Dieses falsche vermeintliche Ideal fördert ein gesundheitsgefährdendes Essverhalten bei Mädchen und jungen Frauen“, kritisiert Frauenstaatssekretärin Rohleder. „Daher wollen wir dem Schlankheitswahn in der Mode- und Werbebranche entgegentreten“, ergänzt die Staatssekretärin. 

Konkret wurde die Bundesregierung von der GFMK aufgefordert, gesetzliche Regelungen zu prüfen, wie sie in anderen Ländern schon umgesetzt werden. So wurde in Frankreich 2015 ein Gesetz zum Schutz junger Models erlassen. Es regelt, dass die Arbeitgeber sich per Attest nachweisen lassen müssen, dass die Models für ihre Tätigkeiten auf Laufstegen und Werbeplakaten „vollständig gesund“ sind.

2017 folgte ein Erlass, der außerdem festlegte, dass per Attest  belegt sein muss, dass ein Model nicht untergewichtig ist. Zentraler Bestandteil ist hierfür der Body-Maß-Index (BMI), der Körpergewicht mit Körpergröße ins Verhältnis setzt. Wer Models ohne solche At-teste beschäftigt, dem drohen Geldstrafen bis 75.000 Euro oder gar eine Gefängnis-strafe. 

Zudem sind in Frankreich Fotos, auf denen die Körperform von Models nachträglich verändert wurde, inzwischen kennzeichnungspflichtig. Die GFMK fordert die Bundesregierung nun auf, diese Ansätze auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und gegebenenfalls eigene gesetzliche Schritte einzuleiten. 

„Unser Ziel ist es, Mädchen und junge Frauen davor zu schützen, möglichen Vorbildern auf den Laufstegen und Werbeplakaten nachzueifern, die dünner sind als es gesund ist“, so Rohleder. Darüber hinaus soll geprüft werden, wie auf die Verantwortlichen zum Beispiel in der Modebranche, den Medienanstalten und der Werbeindustrie eingewirkt werden kann, damit dort nicht weiter ein gesundheitsgefährdendes Schönheitsideal transportiert wird.

Um gegen Essstörungen im Allgemeinen vorzugehen, setzte man in der Vergangenheit auf Aufklärung von Kindern und Jugendlichen. Doch die Zahlen zeigen, dass dieser Ansatz nicht reicht. Essstörungen können schlimmstenfalls  sogar tödlich sein. Die Anzahl der Todesfälle durch Essstörungen ist in den letzten 20 Jahren um mehr als das Doppelte gestiegen.

„Natürlich haben Essstörungen ihre Ursache nicht allein in einem falschen Schlankheitsideal, aber dieses ist ein wesentlicher Faktor. Die Zahlen zeigen, dass gegen die emotionale Wirkung allgegenwärtiger Bilder allein mit sachlicher Aufklärung nicht anzukommen ist. Wenn alle Aufklärung nichts nützt, dann muss der Gesetzgeber aktiv werden“, erklärt Rohleder.

Inzwischen erkranken immer mehr Mädchen und junge Frauen an Essstörungen. Während laut Bundesgesundheitsministerium im Jahr 2000 von 100.000 Mädchen zwischen 15 und 24 Jahren 20 an Magersucht erkrankten, so sind es heute 50.

„Es ist dringend nötig, dass wir Mädchen und jungen Frauen helfen, ein positives Verhältnis zu ihrem Körper frei von zerstörerischen Schönheitsidealen zu entwickeln“, betont Staatssekretärin Rohleder.