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Hintergrund und Entstehungsbedingungen

RIGG wurde aufgrund eines einstimmigen Landtagsbeschlusses vom August 1999 eingerichtet. Dort heißt es: „Zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen auch in engen sozialen Beziehungen ist ein in sich geschlossenes, umfassendes und langfristiges Konzept notwendig (...). Die Bekämpfung auch der Beziehungsgewalt muss deutlich als öffentliche Aufgabe herausgestellt werden. Teil dieses Konzeptes muss es sein, diese Gewalt aus der Privatsphäre herauszulösen, gegen eine Tabuisierung dieser Thematik zu wirken, Prävention und Bekämpfung als gesellschaftspolitische Aufgabe anzuerkennen und damit Tätern und Opfern ein nicht zu überhörendes Signal zu geben".

Damit wurde deutlich gemacht, dass Beziehungsgewalt kein privates, sondern ein gesellschaftliches Problem ist, das nur durch das gemeinsame Handeln aller gesellschaftlichen Kräfte angegangen werden kann. Staatliche und nichtstaatliche Institutionen, die sich mit Gewalt gegen Frauen befassen, arbeiten zusammen und tragen durch ein abgestimmtes und vernetztes Vorgehen dazu bei, dass Schutz und Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder verbessert und die Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden.

Aufgaben und Ziele des Interventionsprojekts
Aufgaben

RIGG hat die Aufgabe, ein umfassendes Präventions- und Interventionskonzept gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei werden alle in Rheinland-Pfalz gegen Gewalt tätigen staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen eingebunden.

Ziele

  • Gesellschaftliche Ächtung der Gewalttaten 
  • Sanktionierung der Täter durch polizeiliche Interventionen, strafrechtliche Maßnahmen und die Ausschöpfung zivilrechtlicher Möglichkeiten 
  • Optimierung der Hilfeverfahren und Hilfsangebote für Frauen und ihre Kinder und deren Vernetzung 
  • Ausbau der Rechte misshandelter Frauen durch die Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten und umfangreiche Informations- und Beratungsangebote 
  • Sensibilisierung und Aufklärung über männliche Gewalt gegen Frauen durch intensive Öffentlichkeitsarbeit 
  • Entwicklung und Umsetzung präventiver Maßnahmen. 

Das Ausmaß der Gewalt

Gewalt in engen sozialen Beziehungen findet hinter verschlossenen Türen statt und wird selten öffentlich bekannt.

Im Rahmen einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" wurden 10.000 Frauen befragt. Die Ergebnisse machen das Ausmaß der Gewalt deutlich, und sie sind erschreckend: 

  • 37 % aller Befragten gaben an, mindestens einmal seit dem 16. Lebensjahr körperliche Gewalt (von Ohrfeigen bis zu Verprügeln und Waffengewalt) erlebt zu haben.
  • 13% der befragten Frauen, also fast jede siebte Frau, gaben an, seit dem 16. Lebensjahr Formen von sexueller Gewalt erlebt zu haben (nur strafrechtlich relevante Formen erzwungener sexueller Handlungen). 
  • Unterschiedliche Formen von sexueller Belästigung haben 58 % der Befragten erlebt.
  • 42 % aller befragten Frauen gaben an, Formen von psychischer Gewalt erlebt zu haben, die von eingeschüchtert werden oder aggressivem Anschreien über Verleumdungen, Drohungen und Demütigungen bis hin zu Psychoterror reichten.
  • Rund 25 % der in Deutschland lebenden Frauen haben Formen körperlicher oder sexueller Gewalt (oder beides) durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner oder -partnerinnen erlebt.

Das bedeutet: Jede vierte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch ihren Ehe- bzw. Lebenspartner oder Freund.

Betroffen sind Frauen jeden Alters, unabhängig von sozialer Schicht, Bildungsstand, Einkommen, Nationalität, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit.

Formen der Gewalt

Die Gewalt, der Frauen ausgesetzt sind, ist vielfältig. Sie reicht von körperlichen Verletzungen wie z. B. Knochenbrüchen, Prellungen, Messerstichen, Platzwunden und eingeschlagenen Zähnen bis hin zu Vergewaltigungen, Morddrohungen und Tötung. Sie äußert sich in Beleidigungen, Erniedrigungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und des sozialen Lebens. Meistens werden verschiedene Gewaltformen vom Gewalttäter miteinander kombiniert:

Körperliche Gewalt 

Stoßen, treten, schlagen, boxen, mit Gegenständen werfen, an den Haaren ziehen, mit den Fäusten prügeln, mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, mit Zigaretten verbrennen, Attacken mit Waffen usw. bis hin zum Mordversuch oder Mord. 

Sexualisierte Gewalt 

Als sexualisierte Gewalt sind alle sexuellen Handlungen anzusehen, die dem Opfer aufgedrängt oder aufgezwungen werden. Zu sexualisierter Gewalt zählen Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sexuelle Belästigung und alle Formen sexueller Bedrohung, Übergriffe oder Ausbeutung, die einen Eingriff in die Würde und Freiheit des Opfers darstellen.

Psychische und emotionale Gewalt 

Ständige abwertende Kommentare, dass die Frau wertlos, hässlich und nutzlos sei; anschreien; Weigerung mit ihr zu sprechen; den Kontakt mit Freundinnen und der Familie unterbinden; die Frau vor anderen und den Kindern demütigen, wertvolle persönliche Dinge zerstören.

Belästigung und Terror (Stalking) 

Ständige Anrufe, Anrufe mitten in der Nacht; Drohbriefe; Bespitzelung und Verfolgung am Arbeitsplatz und zu Hause. Diese Form der Gewalt wird besonders oft von Ex-Partnern ausgeübt, die die Trennung nicht akzeptieren wollen.

Ökonomische Gewalt 

Geld verweigern oder abnehmen; Kontozugang verweigern. 

Ansprechpartnerinnen

Dr. Dagmar Heine-Wiedenmann
Tel. 06131 - 164196

Stephanie Jost
Tel. 06131 - 164193

Sabine Amend-Schunke
Tel. 06131 - 164158

Notrufnummern und Hilfeangebote

Die Telefon-Nummern der Frauennotrufe, Frauenhäuser, Frauenhausberatungsstellen, Interventionsstellen und anderer Hilfeangebote finden Sie hier.